Der vielseitige Allrounder mit vier Richtcharakteristiken, LED-Metering und Blue VO!CE Software
Das Blue Yeti X ist der Nachfolger des legendären Blue Yeti, das über Jahre hinweg das meistverkaufte USB-Mikrofon weltweit war. Mit der X-Version hat Logitech (die Blue 2018 übernommen haben) das bewährte Konzept modernisiert: Vier Kondensatorkapseln, ein LED-Peakmeter an der Vorderseite und die leistungsstarke Blue VO!CE Software machen das Yeti X zu einem der vielseitigsten USB-Mikrofone am Markt. In unserem ausführlichen Test über drei Wochen prüfen wir, ob das Blue Yeti X seinem Ruf als Allrounder gerecht wird — und für wen es sich wirklich lohnt.
Der Vorgänger Blue Yeti war bekannt für seinen vollen, warmen Klang und die vier umschaltbaren Richtcharakteristiken. Das Yeti X setzt genau hier an und verbessert die Audioqualität spürbar. Mit einem Preis von rund 160 € positioniert es sich im gehobenen Mittelfeld — teurer als das Fifine K688, aber günstiger als das Rode NT-USB+ oder Shure MV7+.
Im Karton finden sich das Mikrofon mit integriertem Tischstativ, ein USB-C-auf-USB-A-Kabel (2 Meter lang) und eine Kurzanleitung. Verglichen mit dem Rode NT-USB+, das eine Schockhalterung mitbringt, wirkt der Lieferumfang etwas spartanisch. Eine Schockhalterung und ein Pop-Filter müssen separat erworben werden — das Blue Compass Boom-Arm und der Blue Radius III Shockmount sind die passenden Zubehörteile von Logitech.
Der erste Eindruck ist dennoch positiv: Das Yeti X wirkt solide und gut verarbeitet. Das mattschwarze Gehäuse sieht elegant aus und das beleuchtete LED-Metering an der Vorderseite verleiht dem Mikrofon einen modernen Look. Der Standfuß ist stabil genug für den Schreibtisch, kann aber bei kräftigen Tippern Vibrationen übertragen — hier empfiehlt sich der Einsatz eines separaten Mikrofonarmes.
Das Blue Yeti X ist mit seinen Abmessungen von 122 × 110 × 289 mm kein kleines Mikrofon, passt aber gut auf jeden Schreibtisch. Das Metallgehäuse wiegt 519 Gramm und fühlt sich wertig an. Die Oberfläche ist in mattem Schwarz gehalten und resistiert Fingerabdrücke besser als der glänzende Vorgänger.
An der Vorderseite prangt das LED-Peakmeter — ein Ring aus elf LEDs, der den aktuellen Eingangspegel in Echtzeit visualisiert. Das ist unglaublich praktisch: Man sieht sofort, ob das Signal zu leise, zu laut oder im grünen Bereich liegt, ohne den Blick auf den Monitor richten zu müssen. In den Farben Grün, Gelb und Rot zeigt das Meter intuitiv an, wann man den Gain zurücknehmen sollte.
Der Gain-Regler sitzt als Drehknopf direkt hinter dem LED-Ring und dient gleichzeitig als Mute-Button. Ein kurzer Druck schaltet das Mikrofon stumm — die LEDs blinken dann rot. Das ist durchdacht und funktioniert in der Praxis einwandfrei. Am Boden befindet sich der 3,5-mm-Kopfhöreranschluss für Zero-Latency-Monitoring und ein Drehregler für die Kopfhörerlautstärke.
Der Richtcharakteristik-Schalter an der Rückseite ermöglicht den Wechsel zwischen vier Modi: Niere, Kugel, Acht und Stereo. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal des Yeti X und macht es zum vielseitigsten Mikrofon in unserem Testfeld. Die Verarbeitung insgesamt ist gut, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau des deutlich teureren Rode NT-USB+.
Das Blue Yeti X nutzt vier maßgefertigte Kondensatorkapseln mit einer Abtastrate von 48 kHz bei 24 Bit Auflösung. Im Vergleich zum Vorgänger klingt das Yeti X merklich klarer und detaillierter, mit weniger Eigenrauschen und einer besseren Höhenauflösung.
Im Nieren-Modus (Cardioid), den die meisten Nutzer verwenden werden, liefert das Yeti X einen vollen, warmen Klang mit einer angenehmen Betonung der unteren Mitten. Stimmen klingen natürlich und präsent, allerdings fehlt im direkten Vergleich mit dem Rode NT-USB+ etwas an Transparenz und Detail. Die leichte Wärme des Yeti X kann aber auch ein Vorteil sein — gerade für Stimmen, die von Natur aus etwas dünn klingen.
Das Rauschverhalten ist ordentlich, aber nicht herausragend. In einer ruhigen Umgebung ist das Grundrauschen kaum wahrnehmbar, in lauteren Räumen fängt die empfindliche Kondensatorkapsel jedoch schnell Umgebungsgeräusche ein. Mit dem Noise Gate der Blue VO!CE Software lässt sich das Problem in den Griff bekommen, aber eine perfekt stille Umgebung bleibt die beste Grundlage.
Im Stereo-Modus entfaltet das Yeti X seine Stärken bei ASMR-Aufnahmen oder Ambient-Recordings. Die räumliche Abbildung ist überzeugend, auch wenn dedizierte Stereo-Mikrofone natürlich noch besser klingen. Der Kugel-Modus eignet sich gut für Gruppenaufnahmen am Tisch, und der Achter-Modus ist ideal für Interviews mit zwei Personen, die sich gegenüber sitzen.
Die Klangqualität insgesamt verdient eine 8.6 von 10 — solide und vielseitig, aber nicht ganz auf Spitzenniveau. Für Streaming, Podcasts und Gaming ist der Klang aber mehr als ausreichend und wird die meisten Nutzer zufriedenstellen.
Die Bedienung des Blue Yeti X ist vorbildlich einfach. Das Mikrofon wird per USB angeschlossen und ist sofort einsatzbereit — Plug-and-Play unter Windows 10/11 und macOS ohne Treiberinstallation. Der Gain-Regler am Gerät selbst ermöglicht eine schnelle Anpassung der Eingangsempfindlichkeit, und das LED-Metering gibt visuelles Feedback in Echtzeit.
Die Blue VO!CE Software von Logitech G HUB ist das Herzstück der digitalen Audiobearbeitung. Sie bietet eine Reihe voreingestellter Stimmeffekte — von „Classic Radio" über „Sci-Fi" bis hin zu professionellen Broadcast-Presets. Für Streamer sind die Effekte ein nettes Gimmick, aber die wahre Stärke liegt in den manuellen Einstellungen: HD Sample Rate, Noise Reduction, EQ, Kompressor und Limiter lassen sich individuell anpassen.
Die vier Richtcharakteristiken machen das Yeti X zum vielseitigsten Mikrofon im Test. Hier eine Übersicht der Modi und ihrer idealen Einsatzgebiete:
In der Praxis funktioniert der Wechsel zwischen den Modi reibungslos. Der Schalter an der Rückseite rastet sauber ein, und das Umschalten ist auch während einer laufenden Aufnahme möglich — allerdings entsteht dabei ein kurzes Klicken, das man in der Postproduktion herausschneiden sollte.
Der Mute-Button per Druck auf den Gain-Regler ist im Alltag extrem praktisch. Beim Streaming kann man mit einem Fingertipp stumm schalten, wenn man husten oder niesen muss — die blinkenden roten LEDs signalisieren klar den Status. Das Rode NT-USB+ bietet diese Funktion leider nicht.
Die Kompatibilität ist hervorragend: Das Yeti X funktioniert mit allen gängigen Programmen — OBS, Streamlabs, Discord, Zoom, Teams, Audacity, Adobe Audition und mehr. Logitech liefert regelmäßig Firmware-Updates über G HUB, was für langfristigen Support spricht.
| Mikrofontyp | Kondensator (4 Kapseln) |
|---|---|
| Richtcharakteristik | Niere, Kugel, Acht, Stereo |
| Frequenzgang | 20 Hz – 20 kHz |
| Abtastrate | 48 kHz |
| Bittiefe | 24 Bit |
| Eigenrauschen | Nicht angegeben |
| Max. SPL | 122 dB |
| Anschluss | USB-C (Kabel auf USB-A) |
| Kopfhörerausgang | 3,5 mm Klinke |
| Gewicht | 519 g |
| Abmessungen | 122 × 110 × 289 mm (mit Standfuß) |
| Besonderheiten | LED-Peakmeter, 4 Richtcharakteristiken, Blue VO!CE, Mute-Button |
| Lieferumfang | Mikrofon mit Standfuß, USB-C/A-Kabel, Kurzanleitung |
Das Blue Yeti X ist die ideale Wahl für Allrounder, die ein Mikrofon für verschiedene Einsatzzwecke suchen. Streamer profitieren von den vier Richtcharakteristiken und dem praktischen Mute-Button, Podcaster schätzen den warmen Klang und die Blue VO!CE Effekte, und im Home-Office liefert das Yeti X eine professionelle Audioqualität für Videokonferenzen.
Weniger geeignet ist das Yeti X für Nutzer in lauten Umgebungen — hier wäre ein dynamisches Mikrofon wie das Rode PodMic USB die bessere Wahl. Wer maximale Klangqualität sucht und bereit ist, mehr zu investieren, sollte sich das Rode NT-USB+ oder das Shure MV7+ ansehen.
Das Blue Yeti X erreicht eine Gesamtwertung von 8.5/10. Es ist der vielseitigste Allrounder in unserem Test und bietet ein ausgezeichnetes Gesamtpaket aus Klangqualität, Flexibilität und Bedienkomfort. Für rund 160 € bekommt man ein Mikrofon, das in nahezu jeder Situation eine gute Figur macht — auch wenn Spezialisten in einzelnen Disziplinen die Nase vorn haben.